CUP: Zwei Spiele - zwei mal David gegen Goliat  

Am Wochenende ruht die Schweizer Meisterschaft der Streethockeyfamilie. Diesmal nicht nur für den SHC Grenchen-Limpachtal. Nachdem am letzten Wochenende aufgrund des Güggelifests für unseren Verein keine Spiele anstanden, so ist es diesmal der Schweizer Cup, der den Vortritt erhält. 

 

 

Dem Cupwettbewerb ist in allen Sportarten etwas gemein: Es ist der ewige Kampf zwischen David und Goliat. Frei nach der Erzählung in der Bibel, wo David dem riesigen Krieger der feindlichen Philister entgegen trat. Sich aus der Masse heraus traute, und seinem übermächtigen Gegenüber die Stirn bot. Sich nicht versteckte, sondern für sein Volk nach vorne trat.
An sich und seine Fähigkeiten glaubte, als der Gegner auf ihn zukam. Sich ihm nicht nur entgegenstellte, sondern dem Gegner gar schnell entgegenlief. Er griff in seine Hirtentasche, zog einen Stein aus ihr und schleuderte diesen mit Hilfe seiner Steinschleuder in Richtung des Riesen. Der zukünftige König von Israel traf Goliat an der Stirn, in die sich der Stein hineinbohrte und liess ihn zu Boden sinken. 

Es ist eine der bekanntesten Erzählungen aus dem heiligen Buch. Und eine der beliebtesten, die in der Sportwelt vielleicht am häufigsten zitierte Geschichte. Und so schön sie auch sein mag - die Mannschaften des SHC Grenchen-Limpachtal dürften sie am anstehenden Wochenende unterschiedlich gerne hören. 

Denn auf der einen Seite ist es die erste Mannschaft, die den Goliat mimen darf. Dies im Duell mit dem SHC Dulliken aus der 2. Liga. Die Dulliker müssen gegen den NLA-Vertreter effektiv auf ein kleines Wunder hoffen, um die nächste Runde im Schweizer Cup nicht nur als Zuschauer erleben zu dürfen. 
Auf der anderen Seite ist es die zweite Mannschaft, die sich in der Rolle des David wiederfinden wird. Im Duell mit dem NLA-Dinosaurier aus Belp werden sie die Aussenseiterrolle einnehmen. 

Der Auftakt ins Wochenende ist der ersten Mannschaft vorbehalten. Sie reisen am Samstag nach Dulliken und dürften sich dort um Jahre zurückgeworfen fühlend empfangen werden. Wenn es lange nach der Einführung des Grossfeldmodus' in der höchsten Spielklasse wieder einmal mit einem Feldspieler weniger zur Sache geht. 

Auch wenn Dulliken in der vierthöchsten Liga der Schweiz nur im Mittelfeld positioniert ist, Grund für Übermut gibt es keinen. Überheblichkeit kann schnell zum Boomerang werden. Denn Streethockey spielen können sie auch im Osten des Kantons Solothurn.
Und so ist die Marschrichtung für das Team des scheidenden Coachs Michal Slanec klar: von Beginn weg überzeugend und konzentriert auftreten. Dem Gegner von Anfang an den Schneid abkaufen. Um den Trainer mit einem letzten Sieg in der Schweiz zu verabschieden, bevor dieser seine Heimreise in die Tschechei antritt. Als erfolgreicher Riese. 

Am Sonntag erwartet dann das Team von Coach Simon Rindlisbacher die Gürbetaler in der BSB+Arena in Grenchen. Dass der Riese auf dem Papier nicht mehr so mächtig erscheint wie noch vor einigen Jahren, dürfte die Jungs um Captain Wälchli nicht täuschen. Der Gap zwischen der NLA und der NLB ist zwar nicht riesig, das hat der Aufsteiger des letzten Sommers, der SV Gals, in seiner ersten Saison in der höchsten Spielklasse bisher bewiesen.
Aber bei der anstehenden Affiche handelt es sich um mehr, als nur um einen Vergleich zwischen den beiden höchsten Spielklassen. Es ist das ewige Kräftemessen, das mit sehr viel Prestige verbunden ist. Jahrelang haben sich die beiden Vereine an der NLA-Spitze packende Duelle geliefert.
Bestens in Erinnerung bleibt dem SHC Grenchen-Limpachtal beispielsweise der Cupfinal 2014 in Thun. Er bot zusammenfassend alles, wofür die Partien stets standen: Spannung, Härte und viele Emotionen. Und dem glücklicheren Ende für die Limpachtaler, welche die Cuptrophäe mit nach Hause nehmen durften. 

So kommt es nicht von ungefähr, dass der Achtelfinal bereits lange vor Anpfiff lanciert wurde. Schon kurz nach der Auslosung vernahm man von gegenseitigen Sticheleien zwischen den Spielern der beiden Mannschaften. Und Ankündigungen aus dem Gürbetal, wonach man alles daran setzen werde, in absoluter Bestbesetzung nach Grenchen zu reisen, zeugen von der Wichtigkeit der Partie für den Oberklassigen. Und vielleicht eben doch auch ein wenig vom Respekt vor dem Unterklassigen. 

Freuen dürfen sich die Fans des SHC Grenchen-Limpachtal auf jeden Fall auf ein spannendes Wochenende. Und sie dürfen darauf hoffen, dass David am Sonntag mit seiner Steinschleuder treffsicherer sei als am Samstag. Oder um es in die Gegenwart zu transformieren: Dass der Unterklassige mit Stock und Ball am Sonntag erfolgreicher sein möge denn Tags zuvor. Dass der mutige Kämpfer dem Riesen aus dem Gürbetal mit Mut entgegentritt und für seine Farben einsteht. Mutig und von sich überzeugt, ohne abzuheben. Den übermächtig scheinenden Gegner mit demütigen Tugenden in die Knie zwingen könne. Und sich so die Chance waren darf, ebenfalls eines Tages noch König zu werden wie einst David. Nicht König von Israel - aber König des Schweizer Cups.