NLB: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen... 

Die zweite Mannschaft verliert das Heimspiel gegen den SV Gals mit 7:8. Die Affiche hielt, was sie im Vorfeld versprach. Wenn auch nicht konstant über 60 Minuten. Dafür mit einem Ende, dass passender nicht sein könnte. 

Es ist einer der berühmtesten Sätze, den Hollywood wohl je geschaffen hat: "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiss nie, was man bekommt." Was die Macher aus Hollywood Forrest Gump im Jahrhundertwerk in der Filmgeschichte in den Mund legten, lässt sich auf die heutige Partie in der BSB+Arena in Grenchen ummünzen. 

Der unbedarfte Forrest Gump sitzt auf einer Parkbank, während er diese legendäre Aussage tätigt. Mit der Schachtel auf seinen Knien, die er seiner angebeteten Jugendliebe mitbringen will. Und der ganzen Welt seine Geschichte erzählt, mit allen Hochs und Tiefs. Die Feder, die durch den Film führt, im Hintergrund im Wind tanzend. 

Diese Aussage, in der sich so viele von uns schon selber wiederentdeckt haben dürften. In Momenten, in denen man sich Dinge selbst nicht mehr erklären kann. Keine Gründe mehr findet für Geschehenes. Sich scheinbar nur noch treiben lässt. Genau so wie diese weisse, weltberühmte Feder. 

Scheinbar inspiriert von dieser weissen Feder begannen die Grenchner auch die Partie gegen den aktuellen Leader aus der NLB. Sie liessen sich treiben. Ohne Ziel. Und ohne Widerstand. 
Es war nicht so, dass die Partie einseitig verlief. Keine der beiden Mannschaften konnte sich ein klares Chancenplus erspielen. Wobei dies in erster Linie an der Gästemannschaft lag. Sie vermochte nicht mehr Profit aus der Passivität der Grenchner zu schlagen, als eine 0:1 Führung. Es waren überraschend wenige Pralinen, die sich zum Spielstart in der Schachtel befanden. 

Im zweiten Drittel waren die Limpachtaler zwar sichtlich bemüht, dem Spiel mehr Leben einzuhauchen. Sich aufzulehnen und zu kämpfen. Dabei verloren sie sich aber all zu oft auf Nebenschauplätzen. Anstelle vor der eigenen Haustüre zu kehren, suchte man den Staub vor der Türe des Nachbarn. Und verlor dabei den Fokus auf das Wesentliche: nämlich auf sich selbst und die eigene Leistung. Die Quittung sah nach 40 gespielten Minuten auch entsprechend aus. Ein 2:5 Rückstand und eine bereit liegende Kapitulationserklärung. 

Doch diese zu unterzeichnen war niemand bereit in den Reihen der Grenchner. Allen voran nicht die dritte Linie. Bisher erfolgreich die Paradelinie der Galser aus dem Spiel genommen, wagten sie sich nun auch vermehrt in die Offensive. Und würgten den Ball durch Rätz zum verdienten 3:5 über die Linie. Es war das so dringend benötigte Erfolgserlebnis - und zugleich der Startschuss in ein packendes Schlussdrittel. Obwohl die Galser auf den Überzahltreffer von Lanz eine umgehende Antwort in Form eines weiteren Tors fanden, liessen die Heimherren nicht locker. Sie waren nun die Ersten an der Bande, setzten hartnäckig nach und vermochten die Galser mehr unter Druck zu setzen.
Mit Erfolg. Nun waren es die Gäste, die zu hadern begannen und sich auf Diskussionen mit den Unparteiischen einliessen. Und die Strafen kassierten. Innert kürzester Zeit konnten die Grenchner drei Mal in Überzahl antreten. Die Nerven der Überzahlspezialisten hielten. Sie erzielten die drei so wichtigen Treffer zur 7:6 Führung bis zur 56. Minute. 
Doch die Gäste fingen sich wieder. Und ausgerechnet ihre Paradelinie war es, die nach einer Unachtsamkeit in der Hintermannschaft der Grenchner umgehend für den Ausgleich verantwortlich zeichnete.
Welch süsse Überraschung doch in dieser Pralinenschachtel drittes Drittel zu stecken schien. Spannung, Leidenschaft und Härte. 

Als sich alle bereits auf die Verlängerung einstellten, war es mit Krähenbühl ein Grenchner, der mit dem Ball in Richtung des Gästetorhüters loszog. Mit der scheinbar letzten Chance auf dem Stock, die Partie in der regulären Spielzeit zu entscheiden. Doch anstelle den Ball im Gehäuse unterbringen zu können, versprang ihm dieser kurz vor dem Ziel. Und wurde so zur perfekten Vorlage für die Gäste, die im direkten Gegenzug nur sechs Sekunden vor dem Ende mit einem glücklichen Abschluss das alles entscheidende 7:8 erzielten. Welch bittere Praline als Schlusspunkt. 

"Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiss nie, was man bekommt." Eine Weisheit, die nur für diejenigen unter uns zählt, die ihr Geschenk bereits verpackt kaufen. Die anderen wählen die Pralinen selber aus und wissen genau, was sie danach einpacken und verschenken. Es sind jene Menschen, die ihren Weg selber bestimmen wollen.

Mit allen Vor- und Nachteilen. Wer das Heft selber in die Hand nimmt und seine Geschichte selber schreibt, ist zwar für seine Fehler verantwortlich. Aber er ist auch der Erschaffer seines eigenen Glücks und seiner eigenen Erfolge. Und die sind auf diese Weise mit Sicherheit wahrscheinlicher, als wenn man sich zurücklehnt, sich treiben lässt, und darauf hofft und wartet, dass sie sich von selber einstellen. 

Der SHC Grenchen-Limpachtal hat dafür heute den Nachweis erbracht. Im ersten Drittel und über einige Phasen des zweiten Abschnitts liessen sie sich treiben. Ohne jeglichen Willen. Man verliess sich darauf, dass es irgendwie schon gut kommen möge. Die Pralinen in der schön verpackten Schachtel schon schmecken dürften. 
Was im krassen Kontrast zum dritten Drittel stand, als die Grenchner die Geschehnisse auf einmal kontrollierten, dem Gegner das Spiel phasenweise diktierten. Die Geschichte selber schreiben wollten. Und die Pralinen für die Geschenkpackung eigenhändig auswählten. 

Die Mannschaft ist auf einem guten Weg. Auch wenn es heute für den Vollerfolg gegen diese starke Galser Equipe noch nicht gereicht hat. Aber sich selber dabei bewiesen hat, dass man auf Rückschläge und schlechte Momente reagieren kann. Ein Nachweis, den sie sich bis heute schuldig geblieben sind in der Saison 2018/19. 

Ein weiteres Puzzleteil also, welches das Bild zum perfekten Spiel kompletter erscheinen lässt. Es fehlen noch wenige Teile, die zum Gesamtbild fehlen. Aber die Qualifikation ist noch nicht zu Ende. Und die entscheidenden Playoffs haben somit noch nicht begonnen. Immer noch alles auf Kurs also.