NLA: Das Derby, das scheinbar keines mehr zu sein vermag 

Morgen Samstag nimmt der SHC Grenchen-Limpachtal den Spielbetrieb auch in der Meisterschaft wieder auf. Nach den Testspielen in Pilsen gegen tschechische Spitzenteams und dem Sieg im Viertelfinale des Schweizer Cups bestreitet das Team um Captain Sterchi endlich das erste Qualifikationsspiel im Jahr 2019. 

 

Schrieben wir heute das Jahr 2007, dem Trainer der Grenchner dürfte die anstehende Partie gegen die Bulldozers aus Kernenried-Zauggenried einige schlaflose Momente bereiten. Der SHC Grenchen-Limpachtal ist der klare Favorit. Die grosse Mannschaft aus dem Limpachtal gegen das kleine Team aus den beiden eng benachbarten Dörfern. Doch viel zu oft verliefen die Partien nicht nach dem gewünschten Muster. Zumindest nicht aus Sicht der Limpachtaler. 

Denn die Bulldozers verstanden es Mal für Mal, die Grenchner mehr als nur an den Rand der Verzweiflung zu bringen. Immer wieder schafften sie es, den grossen Rivalen mit ihrer hartnäckigen Spielweise und der ehrlichen Arbeit niederzuringen. Sie feierten grosse Siege. Oder aus der Sicht der Grenchner betrachtet verlor man all zu oft gegen dieses aufopfernd und unerschrocken aufspielende Team. 

In Erinnerung dürfte den Grenchnern wohl vor allem die Playoff-Serie aus der Spielzeit 2007/08 geblieben sein, als die Limpachtaler als wiederum klarer Favorit antraten. Alles andere als eine rasche Qualifikation für die nächste Runde schien unvorstellbar. Doch - für die Grenchner - überraschend, mussten sie in dieser Serie über alle Partien gehen. Mehr noch, im entscheidenden Spiel stand man am Rande des vorzeitigen Saisonendes. Die Halbfinalqualifikation konnte erst in der Verlängerung in extremis gesichert - und der Super-GAU damit noch abgewandt werden. 

Den Super-GAU, den die Grenchner ein Jahr zuvor erlebten. Sich anschauen mussten, wie in Kernenreid Play-Off-Partien bestritten wurden, während man von eben diesen quasi in die Play-Outs geschickt wurde und somit gegen den Abstieg spielte. 

Nun, wir schreiben heute das Jahr 2019. Und um es wiederum aus der Sicht des Trainers zu beschreiben: Zum Glück! Es sind etliche Jahre ins Land gezogen seither. Das altbekannte Natel mit Akkulaufzeiten von mehreren Tagen ist dem iPhone X gewichen. In den USA ist nicht mehr George W. Bush an der Macht, sondern Donald Trump. Und Fernseh schauen hatte noch mit fixen Zeiten und dem eigenen Wohnzimmer eine enge Bindung, während man heute mit Netflix und Co. alles überall und jederzeit schauen kann. 

Es hat sich auch im Streethockey einiges verändert. Die NLA hat sich von den Kleinfeldern abgewandt, spielt heute auf Grossfeldern mit fünf gegen fünf Feldspielern anstelle deren vier. Der Sport hat in taktischer und läuferischer Hinsicht einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Und auf beiden Seiten der Teams fand in diesem Jahrzehnt logischerweise ein Generationenwechsel statt. 

Die Resultate dieser Affiche aus den letzten Jahren bestätigen dabei eine allgemeine Entwicklung in der höchsten Spielklasse. Die Kluft zwischen den Spitzenteams und den kleineren Mannschaften wurde im Allgemeinen deutlich grösser. Es ist selten geworden, dass die Kleinen die Grossen ernsthaft ärgern können, geschweige diese denn regelmässig zu schlagen. Die Realität sieht eher so aus, dass diese Begegnungen früh, häufig zu früh, entschieden sind. 

Über die Entwicklung kann man nun geteilter Meinung sein. Logisch, der Schritt auf das Grossfeld hatte seine Berechtigung. Beispielsweise die erhoffte Leistungssteigerung der Schweizer im internationalen Vergleich. Oder das taktisch anspruchsvollere und daher interessantere Spiel für das geschulte Auge der Zuschauer. 

Aber eben dieses Derby aus vergangenen Tagen zeigt auch die Schattenseiten der Veränderungen gnadenlos auf. Aus den packenden und unberechenbaren Partien sind häufig langweilige Spiele geworden, die nach einem Drehbuch eines einfallslosen Regisseur zu verlaufen scheinen. 

Sicher, aus Sicht des SHC Grenchen-Limpachtal könnte diese Entwicklung durchaus positiv eingestuft werden. Die fehlenden Punkte in der Schlussabrechnung stammen heute selten aus diesen Partien.

Aber diese Sichtweise scheint zu kurzsichtig zu sein. Denn schlussendlich lebt der Sport von der Spannung. Von Unberechenbarkeit. Von Überraschungen. Und von grossen Geschichten. Eben diese Episoden, die das "alte Strassenhockey" bereit hielt.

Der Streethockey-Romantiker dürfte sich deshalb mit Blick auf die morgige Partie wünschen, die Erde hätte sich vor zwölf Jahren aufgehört zu drehen. Und dass Streethockey eben immer noch Strassenhockey wäre. 

Nun, es ist nicht so, dass Überraschungen zwischen den Grossen und Kleinen heute ausgeschlossen sind. Und vielleicht verhilft auch die für die NLA ungewöhnliche Anspielzeit (10.00 Uhr) für eine ausgeglichene und spannende Partie zwischen den zwei alten Rivalen. Aber bitte dann doch mit dem besseren Ende für den SHC Grenchen-Limpachtal. 

NLA - Qualifikation
23.02.2019 - 10.00 Uhr - BSB+Arena Grenchen
SHC Grenchen-Limpachtal 1 - Bulldozers Kernenried 1