CUP: Erzähl der Hummel nichts über die Physik 

Es ist mitte Dezemer 2018, und die Welt könnte für den SHC Grenchen-Limpachtal fast nicht rosiger aussehen. Die erste Mannschaft ist zweiter in der NLA, die zweite Mannschaft in der NLB dritter. Und beide haben soeben den Einzug in den Viertelfinal des Schweizer Cups geschafft. 

 

Einen guten Monat später könnte die Gemütslage in den beiden Mannschaften unterschiedlicher nicht sein. Die Auslosung für den Viertelfinal ist erfolgt. Während der ersten Mannschaft ein Unterklassiger zugelost wurde, empfängt die zweite Mannschaft einen NLA-Vertreter. Soweit so gut. Nur, die zweite Mannschaft trifft auf den Zweitplatzierten der NLA - die erste Mannschaft auf den Dritten der NLB. Oder wenn die Partie SHC Grenchen-Limpachtal 2 gegen den SHC Grenchen-Limpachtal 1 lautet. 

Ja, das Reglement sieht dies so vor, dass ab dem Viertelfinal auch vereinsinterne Duelle möglich sind. Nun lässt sich aber darüber philosophieren, ob dies in diesem Fall positiv oder negativ für den Verein sei. Positiv, frei nach dem Sprichwort "Lieber den Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach". Denn ein Vertreter des Vereins wird definitiv am Finalturnier des Schweizer Cups, dem Final Four, in Zug teilnehmen. Oder eben doch negativ, weil die beiden Mannschaften der Chance beraubt werden, dass sich beide auf sportlichem Weg dafür qualifizieren. Aber beim Versuch dazu natürlich auch beide scheitern könnten. 

Aus Sicht der ersten Mannschaft ist es eine Partie gegen einen Vertreter der unteren Ligen. Ein Wunschlos. Eine machbare Aufgabe. Zumal das Fanionteam der Grenchner diese Saison einen starken Eindruck hinterlassen hat. Eine lösbare Aufgabe also. Trüge die gegnerische Mannschaft einen andern Vereinsnamen, es würde sich wohl niemand grosse Gedanken über das Weiterkommen machen. Eine ordentliche Leistung würde für die sichere Qualifikation für das Finalturnier bedeuten.
Die erste Mannschaft: Oder die Biene unter den beiden Mannschaften. Stets fleissig, demütig und schlussendlich erfolgreich. Von allen geliebt und geschätzt für seine Dienste in der Natur.  

Für die zweite Mannschaft ist es ein Los, das beinahe aussichtslos erscheint. Gegen einen solch starken NLA-Vertreter würde wohl nicht mal eine perfekte Leistung ausreichen. Nein, es bedürfte zugleich eine schwache Vorstellung des Oberklassigen, um überhaupt eine kleine Chance auf den Erfolg haben zu können.
Die zweite Mannschaft: Oder die Hummel unter den beiden Mannschaften. Die etwas unbeholfene, tollpatschig und herzig erscheinende Kreatur, deren Aufgabe in der Natur nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Ihr Metier aber beherrscht, und gar mehr leistet als die Physik ihr zutrauen vermag.  

Passend zur Auslosung war dabei der Zeitpunkt. Die Kugeln wurden nämlich just in jenem Moment geöffnet, als der SHC Grenchen-Limpachtal im Skiweekend in der Lenk weilte. Und die Nachricht zur anstehenden Partie die Jungs im Aprés-Ski erreichte. Die Sprüche und nicht ganz ernstgemeinte Anfeindungen folgten sogleich im Minutentakt. Etliche Videokonferenzen wurden abgehalten. Und die Frage nach der Vormachtstellung im Verein offen diskutiert. 

Fragt man die Spieler der beiden Mannschaften, so ist die Meinung über die Auslosung einhellig. Wobei das Prädikat "unglücklich" noch moderat und nett ausgedrückt ist. Es zeigt auf, dass sich die beiden Teams weit aus der Komfortzone hinauswagen würden, um ihr Ziel zu erreichen. Das gemeinsame Ziel, den Verein doppelt in den Halbfinals zu vertreten. Spieler der ersten Mannschaft liessen hinter vorgehaltener Hand gar verlauten, ein Duell gegen ein anderes NLA-Spitzenteam der vereinsinternen Partie vorzuziehen. Um eben diesen Traum weiterleben zu lassen. 

Ändern lässt sich die Auslosung freilich nicht mehr. Und somit auch nicht die Partie vom 10. Februar 2019, die um 14.00 Uhr in der BSB+Arena in Grenchen angepfiffen wird.

Für die erste Mannschaft heisst dies, dass die Biene nur noch ihre Arbeit machen muss. Den Nektar einsammeln und warten, bis er zum süssen Geschenk Honig - oder eben Final Four - wird. Und damit eines der Saisonziele zu erreichen. 

Für die zweite Mannschaft bedeutet dies, dass man der Hummel nicht erzählen darf, dass sie gemäss den bekannten Regeln der Physik gar nicht fliegen kann. Denn so lange sie dies nicht weiss, wird sie sich keine unnötigen Fragen stellen oder an sich zweifeln. Auch wenn alle anderen zu wissen glauben, dass alle Anstrengungen nutzlos seien.
Weil es für sie das Normalste der Welt ist, zu fliegen. Ihr alle scheinbar existierenden Widrigkeiten egal sind. In ihrem ganz eigenen Verständnis. Dabei ihren ganz eigenen Weg geht. Den Weg des einzigartigen Lebens. Den Weg ihres wahr gewordenen Traums. An sich glaubt und sich selber sagt "I did it my way". 

Schweizer Cup - Viertelfinale
10.02.2019 - 14.00 Uhr - BSB+Arena Grenchen
SHC Grenchen-Limpachtal 2 - SHC Grenchen-Limpachtal 1