NLB: Der schmale Grat zwischen Himmel und Hölle 

Die zweite Mannschaft verliert auch ihr drittes Qualifikationsspiel in Serie. Diesmal musste sich der amtierende Schweizer Meister in der NLB auswärts dem SV Gals mit 8:9 beugen. 

 

Es war eine aufwühlende Geschichte, die sich an diesem Sonntag Nachmittag in Gals abspielte. Dass die Spiele zwischen den beiden Mannschaften stets spannend sind und Streethockey auf höchstem Niveau bieten, ist hinlänglich bekannt. Doch die Dramaturgie der Partie hätte wohl kaum ein Hollywood-Regisseur besser umschreiben können. 

Soviel sei aber vorab verraten: Der Sieg des SV Gals war keineswegs unverdient. Die Niederlage für den SHC Grenchen aber definitiv nicht verdient. 

Die Gäste aus Grenchen starteten besser in die Partie und gingen bereits früh durch den Neuzugang Manuel Wyss in Führung. Und auch auf den Ausgleich zum 1:1 sowie auf den späteren Führungstreffer zum 2:3 durch Gals fanden die Gäste stets und postwendend die richtige Antwort. In die erste Pause ging es mit einem 3:3 Zwischenstand. 

Die Limpachtaler spielten dabei im ersten Abschnitt nicht schlechter als die Galser, aber teilweise leichtsinniger und naiver als die Heimmannschaft. Diese Punkte schienen in der Pause denn auch angesprochen worden zu sein, denn in das zweite Drittel starteten die Jungs um Captain Wälchli deutlich entschlossener und zielstrebiger. Das Resultat war eine rasche 6:3 Führung bis zur 27. Spielminute und einige überzeugende Spielzüge. Der Anschlusstreffer der Heimmannschaft zum 4:6 bis zur zweiten Pause war danach die Quittung für das Nachlassen der Grenchner, die damit noch glimpflich davon kamen. 

Der Start ins dritte Drittel bestätigte, dass die erste Hälfte des zweiten Drittels kein Zufall war. Wiederum Manuel Wyss erzielte in der 43. Minute das 7:4 aus Sicht der Gäste. Und auch um die Antwort auf den vermeintlichen Anschlusstreffer durch die Galser waren die Gäste nicht verlegen. Quasi im Gegenzug erzielte Ronny Beeri das 8:5. 

Dieser Spielstand hielt denn auch bis sechs Minuten vor Schluss Bestand. Doch dann schien sich Ungehäuerliches zuzutragen. Die Mannschaft verlor das Spielkonzept komplett. In der Mittelzone wurden unerklärliche Fehler begangen. Gegenspieler wurden angestochen, das Defensivkonzept zugunsten von Spekulationen über Bord geworfen. Und das Spiel in der Offensive wurde komplett eingestellt. Das Resultat spiegelte sich auf der Anzeigetafel wieder. Der Ausgleich drei Minuten vor Schluss. Und der Führungstreffer zum 8:9 für Gals eine Minute vor dem Ende. Darauf fanden die Gäste keine Antwort mehr. "Die Angst vor dem gewinnen schien grösser zu sein, als die Angst vor dem verlieren", gab ein sichtlich nachdenklicher Coach der Grenchner nach Spielschluss zu Protokoll. "Hockey ist wie das Leben. Wenn du angezählt bist, dir das Selbstvertrauen fehlt, dann bekommst du auf einmal Angst vor dem Erfolg. Traust dir selbst einfachste Dinge nicht mehr zu und machst dich selbst kleiner als du bist. Anstelle Dinge richtig machen zu wollen, versuchst du nur noch, keine Fehler zu machen. Dies wurde uns heute zum Verhängnis." 

Tatsächlich schien es heute keinesfalls unmöglich, die Galser vor eigenem Anhang zu schlagen. Im Gegenteil. Aber einmal mehr hat der Sport aufgezeigt, wie schmal der Grat zwischen Himmel und Hölle, zwischen Sieg und Niederlage, sein kann. Und wie verdammt ähnlich sich Hockey und das Leben doch eben wirklich sind. Ein kleiner Schritt in die falsche Richtung, und alles kann vorbei sein. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, und du bist dem Gipfel zum greifen nah. 

Nun, auf der Leistung der Limpachtaler lässt sich durchaus aufbauen. Nur wäre ein Vollerfolg für die Moral mehr als Gold wert gewesen. "Lieber in der Qualifikation hier verlieren und daraus lernen, als in den Playoffs solche Lehren ziehen müssen" sagte der verletzte Roman Bütikofer nach der Partie. Eine Floskel? Durchhalteparolen? "Nein, wir haben einen weiten Weg vor uns. Und wir wussten, dass es mit dem schweren Auftaktprogramm nicht einfach werden dürfte." sagt Coach Rindlisbacher. "Unser Ziel ist nicht der Qualifikationssieg, sondern was danach kommt. Automatismen und Spielzüge müssen einstudiert werden. Und wir sind überzeugt von unserem Pfad. Aber klar, irgendwann müssen Punkte her. Eher früher als später" Sagt es, und schreitet wortlos davon. 

Die nächste Möglichkeit bietet sich nächstes Wochenende am Samstag in Hägendorf. Ein Sieg ist dort nicht nur möglich, sondern Pflicht. Auch ohne launischen Sportchef im Nacken.