Jahresbericht NLB: Ein unschönes Ende auf einem steinigen Weg 

Es war keine schlechte Saison für die zweite Mannschaft, die Ausgabe 2018/19. Es war eine mit vielen positiven und schönen Momenten. Und doch blieb man weit von den eigenen Zielen entfernt. Die hohen Erwartungen konnten leider nur punktuell, nicht aber über die gesamte Spielzeit erfüllt werden. 

 

Damit hätte wohl niemand gerechnet, dass der amtierende Meister der NLB nach drei Spielen noch punktelos da steht. Der Kern des Meisterteams aus dem Vorjahr blieb beisammen, wurde durch die vier Zuzüge gar punktuell noch verstärkt. Und dann dieser Fehlstart.

Rückschläge gehören nun mal zum Leben dazu. Aber das bemerkst du erst, wenn es abwärts geht. Und je höher du geflogen bist, umso schmerzhafter wird der Absturz. Sinnbildlich dafür stand die Niederlage in Gals im Herbst. Das Team zeigte nach schwierigen Momenten in den ersten Partien und zwei vorangegangenen, unglücklichen Pleiten ein starkes Spiel. Die ersten Punkte waren zum Greifen nah. Alles schien aufzugehen. Doch dann verspielst du einen 3 Tore Vorsprung in den letzten 5 Minuten. Du stehst an der Bande und kannst nichts tun. Es war ein Gefühl von Hilflosigkeit, eine selten gefühlte Leere danach.

Ich hatte meine Lehren aus dem Saisonstart gezogen, aus den Niederlagen. Und meinen Fehlern. Zum Beispiel aus unglücklichen Linienzusammenstellungen, Missverständnissen oder missglückten Experimenten mit umfunktionierten Stürmern in der Verteidigung. Sie kosteten das Team im Nachhinein betrachtet den einen oder anderen Punkt. Vielleicht einen zu viel. Und sie waren damit die Basis für die Talfahrt.

Im Leben bestimmst du nicht alles selber. So liegt beispielsweise bei deiner Angebeteten nicht alles in deinen eigenen Händen. Es gibt einen zweiten Part, den du nicht beeinflussen kannst. Du kannst nur hoffen, dass sie fühlt wie du selbst. Dies ist im Hockey grundsätzlich identisch. Aber genau dies wollten wir ändern. Nicht den Gegner, aber unser Spiel. Es so auszulegen, uns voll auf unsere Stärken zu besinnen, dass es keine Rolle mehr spielt, wer auf der anderen Seite steht. Nur auf sich selbst schauen. Auf seine eigenen Qualitäten bauen. Oder um es wieder mit dem wahren Leben zu veranschaulichen: Sich selber sein dürfen, sich nicht verstellen müssen - und dabei das Gefühl geschenkt bekommen, dass alles gut ist so. Genau in jenen Momenten kommt deine Schönste Seite zur Geltung. Oder deine Beste.  

Es kann aber auch zu viel des Guten sein. Vielleicht wollte ich zu viel in zu kurzer Zeit verändern. Und verunsicherte damit unser Team wohl mehr, denn dass wir die gewollte Unabhängigkeit erlangten. Aber: Sieger sind nicht jene, die nie fallen. Sondern diejenigen, die einmal mehr aufzustehen vermögen, als sie gefallen sind. Und die Mannschaft hatte Qualität, mehr als die Tabelle es zu Saisonbeginn vermuten liess. Zudem hatte sie Mumm! Sie hat in den schwierigen Zeiten Charakter gezeigt. Keine Schuldzuweisungen unter den Spielern, keine Ausreden. Es ist eindrücklich, wie sie sich selbst aus der Misere befreien konnten. Wie das Team auferstanden ist und sich Schritt für Schritt weiterentwickeln konnte. Die Automatismen griffen immer besser, das Spielsystem wurde deutlicher erkennbar. Und die Sicherheit der Spieler wurde grösser.
Es entwickelte sich eine Mentalität in die gute Richtung. Es ist diese viel genannte Spirale. Im positiven Sinne. Wenn du dich wohl fühlst, wenn dir jemand oder etwas den Rücken stärkt, fällt dir alles einfacher im Leben.

Es schien, als würde das Team den Rank genau zur richtigen Zeit finden. Nach der speziellen Konstellation im Cup, die uns im Viertelfinale mit unserer ersten Mannschaft eine schier unlösbare Aufgabe bescherte, ging es stetig aufwärts. Der Weg gipfelte nach dem spektakulären Auswätssieg in der Verlängerung gegen Belp im Playoff-Viertelfinale in der Halbfinalserie gegen den SV Gals.

Die Auswärtspartie gegen den klaren Favoriten begann perfekt. Das erste Drittel konnten wir mit 3:0 zu unseren Gunsten entscheiden. Nach sechs Treffern in Serie für die Heimmannschaft gaben viele unsere Mannschaft auf. Sie sich selbst aber nicht. Sie kämpfte sich mit einer eindrücklichen Leistung und Leidenschaft zurück, kam bis auf einen Treffer heran. Bevor man kurz vor Schluss einen ärgerlichen Gegentreffer zur Entscheidung hinnehmen musste.

Die zweite Partie war danach das pure Gegenteil. Die Mannschaft war nicht bereit. Unerklärlich, wie zögerlich wir in diese Partie gingen. Keine sichtbare Leidenschaft – und eine unbegründete Nervosität. Die Einstellung stimmte nicht, die Vorbereitung vollends verhauen, schlicht die falschen Worte gewählt. 0:4 nach dem ersten Drittel, 1:8 nach dem zweiten Drittel. Ja, die Galser nahmen die Einladung dankend an. Doch auch zum Abschluss der Saison zeigten die Jungs nochmals ihre riesige Moral. Eine starke Aufholjagd gipfelte in einem 9:6 Zwischenstand. Aber es kam, wie es kommen musste. Torhüter raus, zusätzlicher Feldspieler rein, und zwei Gegentore anstelle der gewünschten weiteren Treffer, die uns dem Ausgleich näher gebracht hätten.

Es war eine niederschmetternde Niederlage. Eine Unerwartete für uns. Und die Art und Weise, die zu denken gab. Ein Saisonende, das schmerzte. Aber irgendwie halt doch passend war, nach dem gesamten Saisonverlauf. Besonders bitter war es für die abtretenden Spieler. Mit Mitch, Schugg, Römu, Groli und Päscu verliert das Team auf die neue Spielzeit fünf verdiente und erfahrene Spieler. Sie haben es definitiv nicht verdient, auf diese Art "Adieu" sagen zu müssen und von ihrer geliebten Bühne Abschied zu nehmen. Die Tränen in den Augen der sonst so hart und abgebrüht wirkenden Kerle sagten mehr als tausend Worte.  

Ich bin stolz, ein kleiner Teil dieser grossartigen Gruppe gewesen zu sein. Es war nicht immer einfach. Nicht für die Spieler, auch nicht für mich. Es war keine perfekte Saison. Aber eine mit vielen kleinen Höhepunkten. Schlussendlich gab es schlicht zu viele Fehler, um am Ende ganz oben stehen zu können.

Ich hatte lange zu kämpfen mit dem Saisonende, der grossen Leere, die sich breit machte. Ja, es ist wie in der Einleitung erwähnt. Je höher du fliegst, umso tiefer kannst du fallen. Auch wenn du genau weisst, dass dieser Moment irgendwann kommen wird: es macht es nicht einfacher oder erträglicher.

Es ist wie das wahre Leben, das tödlich ist. Und doch haben wir nicht täglich Angst vor dem Ende, sondern geniessen jeden schönen Moment, den wir geschenkt bekommen. Saugen auf, was wir können. Und erfreuen uns aller wunderbaren, kleinen Dinge. Sie sind es, die das Leben wirklich ausmachen, die kleinen Details. Wir lassen uns verzaubern. Und versuchen selbst andere zu verzaubern. Das hier und jetzt leben. Bis zum bitteren Ende. Weil es das wertvollste Gut ist, das wir haben: Die Zeit und die Erinnerungen daran. Und schlussendlich das Einzige, dass du mitnehmen kannst auf deine letzte Reise.

Merci Jungs für die schöne und lehrreiche Zeit. Ich durfte in den letzten Monaten viele Erfahrungen sammeln. Und dabei blieben unzählige und wunderbare Erinnerungen hängen. Es sind Momente, die ich nie mehr vergessen werde. Oder wie Büne Huber es ausdrücken würde «Ig brönne mir diä Momäntä ds mitts i mis Härz. Chönnt schwörä, dass ig ewig bliebä, wenis nüt drzwüschä chunnt».

 

Simon Rindlisbacher
Coach 2. Mannschaft