NLB: Ein Moment ist so lange perfekt, wie du es willst 

Der SHC Grenchen-Limpachtal verliert die erste Partie der Halbfinalserie auswärts in Gals mit 6:8. Die Niederlage der Grenchner war nicht zwingend. Der Sieg der Galser aber auch nicht gestohlen. Die Serie ist nach dieser Patie auf jeden Fall so richtig lanciert. 

 

Ein Moment ist so lange perfekt, wie du es willst. Genau nach diesem Motto startete die Mannschaft um Captain Wälchli in die Partie. Sie spielten konzentriert und aufsässig, ohne dabei aber übermotiviert in die Zweikämpfe zu steigen. Jeder spielte seine zugeteilte Rolle perfekt. Gepaart mit dem starken Torhüter als sicheren Rückhalt und der gewissen Portion Glück konnten die ersten 10 Minuten mehr als ausgeglichen gestaltet werden. Der Lohn dafür waren die beiden ersten Treffer der Grenchner. Erst war es Verteidiger Jordi, an vorderster Front stürmend nach einem Energieanfall, danach Krähenbühl nach einer ansehnlichen Kombination, die für die 2:0 Führung besorgt waren. Und als vier Minuten vor Drittelsende wiederum Krähenbühl mit einem satten Weitschuss in Überzahl auf 3:0 stellte, rieben sich viele verwundert die Augen. 


Ein Moment ist so lange perfekt, wie du es willst. Auch im zweiten Drittel bewiesen die Gäste die Wahrheit dieser Aussage. Denn die Pause bekam den Galsern deutlich besser als den Grenchnern. Auf der einen Seite tat Gals nun mehr fürs Spiel. Aber auf der anderen Seite war es Grenchen, das um Welten schlechter spielte als noch in Abschnitt eins. Die Spieler wirkten gehemmt und nervös. Das fehlerhafte Spiel und die mangelnde Laufbereitschaft brachte die Mannschaft dabei Einsatz für Einsatz in Schwierigkeiten. Bis in der 26. Minute die Dämme rissen. Erst kassierte man einen Doppelschlag binnen weniger Sekunden, bevor zwei Minuten später gar der Ausgleich in Unterzahl hingenommen werden musste. Und als in der 31. Minute gar noch das 3:4 für Gals fiel, schienen die Hände vollends zu zittern. Es war mehr als der Beweis für die Aussage, dass der Moment nur so lange perfekt ist, wie du willst. Es war auch der Beweis dafür, dass man sich das Glück erarbeiten kann. Während der Ball im ersten Drittel für die Grenchner lief, war es nun im Zweiten umgekehrt. 

Doch die Mannschaft fing sich und begann wieder die einfachen Dinge richtig zu machen. Was so banal tönt, erscheint in genau solchen Situationen als Herkulesaufgabe. Aber es sind diese elementaren Basiselemente, die dich zurück in die Partie führen können. Dir wieder Selbstvertrauen einhauchen und an dich selber glauben lassen. Und ohne Glaube sind nicht nur keine Berge zu versetzen. Sondern in solchen Partien nicht mal Kieselsteine. 

Ein Moment ist so lange perfekt, wie du es willst. Das dritte Drittel bezog sich danach auf den zweiten Teil der Aussage. So lange du es willst. Denn trotz eines weiteren Genickschlags in Form eines Doppelschlags der Galser in der ersten Spielminute zum 3:6 gaben sich die Grenchner nicht geschlagen. Sie wollten den perfekten Moment für sich. Um jeden Preis. Sie kämpften sich zurück. Allen Widrigkeiten und allen Regeln des Spiels trotzend, knieten sich in jeden Einsatz. Sie motivierten sich gegenseitig. Und sie investierten alles ihnen zur Verfügung stehende für ihr Ziel. Für diesen einen perfekten Moment, für dieses Ziel. Die Angst vor dem Scheitern, das Risiko alles für nichts gegeben zu haben, komplett ausgeblendet.


Captain Wälchli war es, der die Mannschaft in der 45. Minute zurück in die Partie führte. Mit seinem Anschlusstreffer hauchte er dem ganzen Team eine gewaltige Portion Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ein. Dies vermochte auch der Treffer der Galser zum 7:4 nicht zu ändern. Die Gäste spielten weiter zielstrebig ihr Spiel. Liessen sich nicht beirren. Und kamen dank einer Doublette von Kamm bis auf 6:7 wieder heran, als die Matchuhr 54:06 anzeigte. Sechs Minuten Restspielzeit - oder eine halbe Ewigkeit im Streethockey. 

Eine Unaufmerksamkeit der Grenchner Hintermannschaft bestraften die Galser wiederum eiskalt und zogen damit mit wiederum mit zwei Längen davon. Doch Zeit blieb immer noch genug auf der Uhr. 

Ein Moment ist so lange perfekt, wie du es willst. Als zweieinhalb Minuten vor Schluss ein Spieler der Seeländer für zwei Minuten in die Kühlbox geschickt wurde, lieferten die Gegner gar die Einladung dazu. Die lupenreine Quote von 100 Prozent in Überzahl zu diesem Zeitpunkt sprach für sich. Doch anstelle sich auf das Spiel zu konzentrieren, folgten rabenschwarze Momente mit Undiszipliniertheiten abseits des Spielgeschehens. Eine absolut unnötige Zweiminutenstrafe beraubte die Grenchner nur Sekunden nach dem Ausschluss des Galsers des Powerplays. Und die darauffolgende Matchstrafe gegen einen Grenchner der letzten realen Chance auf den Ausgleich. 


Ein Moment ist so lange perfekt, wie du es willst. So lange du bereit bist, dafür zu kämpfen und über deine Grenzen hinaus zu gehen. Und du auch mal schwierige Momente auf dem Weg überstehst, dich davon nicht von deinem Pfad zum Ziel abbringen lässt. Sondern ihn konsequent und mit der vollen Überzeugung weitergehst. Und die Hoffnung nie verlierst, auch wenn es einmal hoffnungslos scheint. Hege die Hoffnung, dass Hoffnung besteht.

Die Halbfinalserie ist lanciert. Die Galser wahrten ihren Heimvorteil. Schlussendlich war es nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für die Grenchner hat sich nichts verändert. Sie benötigen den Heimsieg und einen Erfolg in Gals. Für die Jungs von Coach Rindlisbacher ist es nun wichtig, dass man die vielen positiven Punkte aus der Partie mitnimmt, und aus den negativen Punkten seine Lehren zieht. Danach gilt es alles abzuhacken und nach vorne zu schauen. 


"Mängisch muäs mä nüt sägä. Mängisch isch auäs scho verzeut" besingen zwei Berner einen speziellen Moment aus dem Leben in ihrem Song. Einen speziellen Moment, den erlebten die Grenchner am letzten Sonntag auch. Wenn auch mit anderen Vorzeichen - ist er doch passend. Es ist alles erzählt. Zur ersten Partie. Und die zweite beginnt wieder bei Null. Dass die Limpachtaler wissen, wie man den Favoriten ärgert, haben sie über weite Strecken bewiesen.

"Doch si houtmi widr zrügg, chunt si zrügg, Machiavelli" - um eine weitere Zeile aus dem selben Lied zu zitieren. Und damit alles noch passender zu machen. Sie holt die Grenchner zurück, die Halbfinalserie. Und sie kommt zurück. Die Chance auf den perfekten Moment, so lange wie du willst. Nächsten Samstag in der BSB+Arena in Grenchen. Und danach hoffentlich am Sonntag in Gals zur alles entscheidenden Belle. 

 

NLB: Playoff Halbfinale, Spiel 2
Samstag, 13. April 2019 14.00Uhr in der BSB+Arena in Grenchen
SHC Grenchen-Limpachtal - SV Gals

NLB: Playoff Halbfinale, Spiel 3 (ev.)
Sonntag, 14. April 2019 14.00Uhr in der Tschilar Baut Arena in Gals
SV Gals - SHC Grenchen-Limpachtal