NLB: Zwei Halbfinalakteure mit Nebenrollen im Gespräch 

Die Viertelfinals der NLB-Playoffs sind vorbei. Und die Halbfinals stehen vor der Türe. Dabei kommt es zum Knüller zwischen dem SV Gals und dem SHC Grenchen-Limpachtal. Zusammen mit Hanspeter Leiser und Simon Rindlisbacher haben wir versucht, ein wenig nach vorne zu schauen. 

Es ist wohl die Affiche schlechthin in der NLB. Die Duelle zwischen den beiden Mannschaften haben in der Vergangenheit immer wieder für packende Spiele gesorgt. Sie waren eigentlich fast ausnahmslos Garant für Streethockey für den Werbefilm. Die Partien waren geprägt von Tempo, Emotionen und Spannung. Und einer grossen Portion gesundem Respekt vor dem Gegenüber.

Nun erhält die Paarung also als Neuauflage des letztjährigen Halbfinals einen weiteren Höhepunkt mit bis zu drei Partien über zwei Wochenenden. 

Wir haben uns deshalb mit zwei "Halbfinalakteuren in Nebenrollen" - wie sich selber bezeichnen - zum Gespräch getroffen. Zusammen mit Hanspeter "Hämpu" Leiser, seines Zeichens Vereinspräsident und der wohl grösste Fan seines SV Gals, und Simon "Simu" Rindlisbacher, Trainer und langjähriges Mitglied des SHC Grenchen-Limpachtal, durften wir eine angeregte und amüsante Diskussion führen. Dabei haben wir den Halbfinal zwar angesprochen, sind aber irgendwie immer wieder auf Umwege geraten und vom Thema komplett abgeschweift.

 

Was bedeuten für euch beide die Playoffs?
Simu: Für mich ist es die schönste Zeit des Jahres, nicht nur weil es Frühling ist und es wieder wärmer wird. Es ist die Zeit, wo es um etwas geht, wo du über dich hinauswachsen kannst. Oder besser gesagt musst, wenn du die Rasierpause verlängern willst.
Hämpu: Ja, es ist ganz klar die schönste sowie wichtigste Zeit des Jahres. Ein Spiel bleibt immer ein Spiel. Aber in den Playoffs geht es um Endspiele. Klar ist die Art und Weise auch wichtig. Aber schlussendlich geht es halt nur um den Sieg.

Hart umkämpft wie hier in der Qualifikationspartie in Gals dürfte es auch in den Playoffs zu und her gehen. 

Gals gegen Grenchen: Wunschpaarung oder Albtraumlos?
Hämpu: Spiele gegen Grenchen sind immer speziell. Einerseits die grosse Rivalität auf dem Feld, andererseits viele gute Freundschaften neben dem Platz. Grundsätzlich ist es eine Wunschpaarung. Leider eine Runde zu früh.
Simu: Nun, eine alte Wahrheit besagt, dass du jeden möglichen Gegner besiegen musst, um Meister zu werden. Ich freue mich auf Gals, auf die Partien, aus diesem Sichtwinkel ist es die Wunschpaarung. Aber ich hätte lieber im Finale in Gals begonnen, so gesehen ist es eher ein Albtraumlos.

Was macht die Affiche zwischen den beiden Teams so speziell?
Hämpu: Wie gesagt, es sind immer spezielle Begegnungen, die meistens auch mit knappen Resultaten enden. Man kennt sich halt. Die Freundschaft wird für die Spieldauer auf Eis gelegt, die Intensität ist hoch, aber am Ende schätzt und respektiert man sich gegenseitig sehr.

Gemeinsames Teamfoto: Entstanden im Zuge des Eröffnungsfests der Tschilar Baut Arena in Gals aus dem Sommer 2018, zu welchem die erste Mannschaft eingeladen wurde. 



Wo seht ihr die Stärken in euren eigenen Teams?
Simu: Wenn das Powerplay funktioniert, kann es für uns das entscheidende Plus sein. Zudem bin ich überzeugt, dass wir eine Vielzahl an Spielern haben, die dem Spiel die entscheidende Richtung geben können.
Hämpu: Die werde ich doch jetzt nicht öffentlich bekannt geben (lacht)!
Simu: Ich war mir sicher, dass mein loses Mundwerk mich einmal noch strafen wird (beide lachen).
Hämpu: Nein, wir verfügen glücklicherweise über eine sehr ausgeglichene Mannschaft. Jede Linie kann Spiele entscheiden. Einen klaren Vorteil für uns sehe ich im läuferischen Bereich.

Und wo seht ihr denn die Stärken des Gegners?
Hämpu:  Ganz klar das angesprochene Powerplay. Das ist eine extrem schlagkräftige Waffe, die definitiv Spiele entscheiden kann. Zudem verfügt Grenchen über mehr Routine, was auch ein wichtiger Faktor werden kann.
Simu: Gals ist eine ausgeglichene Mannschaft mit viel Jugendlichkeit. Durch den Zuzug von Lukas Hudecek hat die Mannschaft zudem auf einen Schlag extrem viel an spielerischer und taktischer Qualität hinzugewonnen. Er könnte das Zünglein an der Waage sein. Nicht nur wegen ihm, sondern weil er die anderen auch besser machen kann.

Wenn ihr die freie Wahl hättet, wen vom Gegner würdet ihr gerne in euren eigenen Reihen sehen?
Hämpu: Andreas Härri, auch wenn es nur um ein gemütliches Bier nach dem Spiel gehen würde (lacht). 
Simu: Das Bier kriegst du. Du weisst ja, dass euch Härri nach einem Sieg über Gals noch immer ein Bier spendiert hat (beide lachen).
Hämpu: Gut dann werde ich dieses Mal wieder spendieren. Ist ja dann auch nicht das erste Mal. Aber um auf die Frage zurück zu kommen. Grenchen funktioniert als eingespieltes Kollektiv. Daher ist es schwierig einen Spieler zu benennen. Aber das eingespielte Powerplay würde ich nicht ablehnen.
Simu: Vielleicht könntest du dem Powerplay dann eure gewohnte Zuverlässigkeit einimpfen - und uns danach wieder zurückschicken (beide lachen). Ich wüsste gerne die Gebrüder Wehrli in meinen Reihen. Ich weiss selber, wie schön es ist, mit seinem Bruder zusammen auf dem Feld zu sein, deshalb beide. Und ich arbeite gerne mit jungen und hungrigen Spielern. Und natürlich Vreni von der Buvette - oder zumindest ihre Schinkengipfeli (lacht).

Die Gebrüder Wehrli in bekannter Pose: Jubeln ist ihnen des Öftern vergönnt. Auch im Halbfinale der NLB-Playoffs 2018/19?


Gals hat die Qualifikation überlegen für sich entschieden, während Grenchen sich mit dem vierten Schlussrang begnügen musste. Die Favoritenrolle ist also klar verteilt, oder?
Simu: Ganz klar, ja. Alles andere, als Gals als Favoriten zu betiteln, wäre Augenwischerei.
Hämpu: Grenchen hat sich in der Quali unter Wert geschlagen. Der vierte Tabellenrang täuscht deswegen gewaltig. Zusätzlich seid ihr amtierender Meister! Und gegen Gals läuft ihr ja eh immer zu Hochform auf. Was kippst Du da jeweils in den Tee? Die Favoritenrolle nehme ich aber aufgrund der Tabelle dankend an. 
Simu: Das ist das Geheimnis unseres Betreuers Hans. Dies musst du ihn schon selber fragen (beide lachen). Aber ernsthaft, motivieren musst du bei solch grossartigen Partien niemanden speziell. Eher dafür sorgen, dass die Motivation nicht in eine Übermotivation kippt.

Gals strebt den Aufstieg in die NLA an. Was sind die Gründe dafür?
Hämpu: Wir verfügen über eine junge, hungrige Mannschaft. Und zum Glück über die nötige Infrastruktur. Ein Grundgedanke des Sports muss es sein, sich mit den Besten messen zu können. Der Zeitpunkt ist gekommen um diesen Schritt zu gehen.
Simu: Dies sehe ich auch so. Die Qualität im Galser Kader ist gewaltig. Hämpu, ich hab dir dies schon mal gesagt: Wenn nicht jetzt, wann dann? Ernsthaft, die jungen, talentierten Spieler der Galser sind begehrt. Wenn ihr den Schritt nach vorne als Verein nicht wagt, werden diese Spieler sich ihren NLA-Verein eher früher als später selber aussuchen.
Hämpu: Das ist richtig. Wir wollen und müssen diesen Schritt jetzt machen. Jetzt oder nie.
Simu: Es ist doch das Ziel eines jeden Spielers, auf dem höchsten Niveau zu spielen. Sich mit den Besten messen zu können. Wäre dies bei den Galsern anders, sie wären nicht da wo sie heute stehen. Der Aufwand, den eure jungen Talente beispielsweise für die Nationalmannschaften auf sich nehmen, wo sie gegen Kanadier, Tschechen und Co. spielen können, ist der beste Beweis für ihren Erfolgshunger.
Hämpu: Ganz klar. Aber warum gibst du eigentlich meine Antworten wieder (lacht)? Wir haben definitive und klare Ambitionen. Der Anreiz der NLA ist da. Wir wollen uns nun dieser Herausforderung stellen.
Simu: Und sind wir doch ehrlich. Wenn du es nicht versuchst, wirst du nie wissen, wie es herausgekommen wäre. Das Hockeyleben ist zu kurz, um sich von Zweifeln leiten zu lassen. Man muss die Chance packen, wenn sie hier ist. Einfach mal die Flügel öffnen und los fliegen.

Wie kommt es eigentlich, dass sich so direkte Konkurrenten wie ihr beide es doch eigentlich in diesem Zirkus seid, sich so gut verstehen?
Simu: Nun, unser Sport und die Leidenschaft dafür verbindet uns. Und es wäre fatal, immer nur seinen eigenen Garten zu betrachten. Manchmal tut es gut, etwas über den Tellerrand hinaus zu blicken. Und so zu entdecken, dass es auch ausserhalb des eigenen Gartens einigermassen sympathische Typen gibt (lacht).
Hämpu: Wir leben den Sport auf eine gemeinsame Weise. Ehrgeizig, fordernd, zielorientiert aber immer auch fair und respektvoll. Mit Herzblut halt.
Simu: Mir hat vor langer Zeit, als ich noch Junior war, mal ein amtierender Nati-Captain gesagt: "Durch diesen Sport wirst du nie reich. Aber er wird dir einmalige Erlebnisse und wunderbare Bekanntschaften schenken." Heute weiss ich, dass dieser Jemand recht hatte. Und Hämpu genau eine dieser Bekanntschaften ist, die ich sonst wohl nie getroffen hätte.

Ertappt: Hämpu Leiser auf Besuch beim SHC Grenchen-Limpachtal in der BSB+Arena. Wenn Freunde zu Besuch kommen - und nicht wenn Konkurrenten auftauchen. 

Was ist es denn, was ihr am Gegenüber so schätzt?
Simu: Seine geniale und freundliche Art. Und nicht nur sich selber und den eigenen Verein zu sehen. Ein kleines Beispiel: Wir hatten ein Doppelbelegung der BSB+Arena in Grenchen für eine NLA-Partie. Als Hämpu davon hörte, bot er spontan an, den Platz in Gals nutzen zu dürfen. Ohne wenn und aber.
Hämpu: Die offene und ehrliche Haltung von Simu schätze ich sehr. Wir sind ja regelmässig in einem guten sowie gesunden Austausch. Und ja, wenn man sich gegenseitig helfen kann ist das für mich selbstverständlich.
Simu: Genau dies habe ich gemeint betreffend deiner Art. Aber ganz so harmonisch war die Diskussion mit dem Platz ja dann doch nicht. Über die Verteilung der möglichen Einkünfte der Buvette konnten wir uns nicht einigen.
Hämpu: Das betraf doch nur Details (schmunzelt).
Simu: Das stimmt. Beide wollten die Einnahmen nämlich dem jeweils anderen zuweisen. Gut konnte die Partie in Grenchen ausgetragen werden. Wir hätten uns wohl eine wohltätige Organisation suchen müssen, der die Einnahmen gespendet hätten werden können. Ob wir uns da einig geworden wären? (lacht).
Hämpu: Vermutlich hätten wir auch dieses Problem vernünftig besprechen und aus der Welt räumen können.
Simu: Stimmt, du bist doch Xamax-Fan? Die haben sicherlich noch eine Leiche im Keller aus der Tschagajew-Ära, nicht? Vielleicht hätten wir dieses Loch damit stopfen können (lacht).
Hämpu: Wir bleiben wohl besser beim Streethockey (lacht).

Für euch beide gibt es also noch mehr als Streethockey?
Simu: Ja, definitiv. Früher sah dies zwar anders aus, da war ich viel verbissener. Ich kannte nur den Hockeyplatz. Da führte kein Weg dran vorbei. Ferien wurden umgebucht oder verkürzt. Beziehungen danach gerichtet und auch mal Ferien mit Kollegen abgesagt. Heute liegt dies in der Vorbereitung mal drin (lacht). 
Hämpu: Meine persönliche Karriere hat im Fussball stattgefunden. Daher ist meine Streethockey-Vergangenheit deutlich kürzer als die von Simu. Die Ambitionen sowie das Herzblut sind aber identisch. Sage ich "ja" zu etwas, meine ich auch "ja" und verhalte mich entsprechend. Ziele bleiben Ziele und sind da um erreicht zu werden.
Simu: Aber wenn schon nicht Streethockey, dann wenigstens YB und nicht Xamax, gäu Hämpu?
Hämpu: Ich bin kein Erfolgsfan sondern treu in guten wie in weniger guten Zeiten. Ich warte auf den Moment wenn Xamax wieder einmal gegen YB gewinnt. Dann rufe ich dich an (beide lachen).

Hämpu Leiser bei der Ansprache anlässlich des Eröffnungsfests der neuen Arena. "Ein Meilenstein". 


Zurück zum Hockey: Würde es euch beide nicht auch reizen, selber auf dem Feld zu stehen?

Hämpu: Definitiv nicht! Für die Zuschauer wäre das vielleicht amüsant. Aber ich könnte vermutlich schon nach 10 Minuten nicht mehr laufen.
Simu: Nun, ehrlich gesagt schon. Für mich als Spieler war Streethockey mehr als ein Hobby. Eine Passion, mein Leben so zu sagen. Und der Frühling mit seinen Entscheidungspartien war dabei immer die schönste Zeit. Dies nun "nur" von aussen zu betrachten ist hart. Aber ich bin mittlerweile alt und weise genug geworden, um zu wissen, dass ich dort innerhalb der Banden nichts mehr verloren hätte. Sich von den Jungen vorführen zu lassen stelle ich mir nicht so witzig vor (schmunzelt).

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Simu Rindlisbacher im Einsatz für "seinen" SHC Grenchen-Limpachtal. 


Gibt es eigentlich etwas, das man von seinem Gegner in dieser Phase noch nicht weiss?

Hämpu: Da gibt es immer gewisse Punkte. Welche Spieler zur Verfügung stehen, allfällige Absenzen von Stammspielern etc. Aber wir müssen uns auf unser Spiel fokussieren, unsere Dinge richtig machen und nicht auf den Gegner schauen. Oder hättest Du gerade eine konkrete Frage Simu? Also Schinkengifpeli wird es geben (lacht).
Simu: "De isch dr Chessu gflickt, scho voräm Mätsch" (beide lachen). Nun, Fragen treiben mich immer um. Ich bin neugierig und detailversessen, möchte immer alles wissen. Aber schlussendlich ist es wie Hämpu bereits gesagt hat. In den Playoffs musst du auf dich schauen und deinen eigenen Pfad zielstrebig gehen. Nur so kommst du einen Schritt weiter. Wenn du auf andere schaust oder wartest, bleibst du stehen und verpasst dabei vieles. Dies kann nicht das Ziel sein.

Letztes Jahr lautete die Halbfinalpaarung identisch, mit dem besseren Ausgang für den SHC Grenchen-Limpachtal. Damals sprachen viele vom vorgezogenen Final.
Hämpu: Das stimmt, davon haben viele gesprochen. Wie letztes Jahr steht nun diese Paarung wieder im Halbfinal an. Es ist nun mal kein Wunschkonzert. Simu hat es schon erwähnt, ich wiederhole ihn aber gerne: Wer Meister werden will, muss jeden besiegen. Ob im Halbfinal oder im Final. Aber es ist schon klar, einem Final Gals gegen Grenchen hätte ich sofort zugestimmt.
Simu: Für mich stimmte diese Aussage vollends. Nicht weil ich Horgenberg schwächer eingestuft hätte als Gals. Aber das darum herum war etwas ganz anderes. Die Emotionen waren viel positiver in dieser Serie. Heute aber wäre es vermessen, wenn wir uns Worte wie "vorgezogener Final" in den Mund legen würden. Dazu war unsere Saison bisher zu schwach. Bisher...

Der Trainer in seinem Element. "Was früher mein Stock war, ist heute die Tafel und der Schreiber. Geblieben sind die Ansprüche an sich selbst und die Detailversessenheit."


Was ist euer Tipp für den Ausgang der Serie?

Simu: Ich hoffe, dass wir die Serie über drei Spiele gehen können und wir uns nicht bereits in zwei Spielen geschlagen geben müssen.
Hämpu: Sorry Simu, dieses Jahr kommt der Sieg nach Gals. Ich lade Dich dafür zu den Finalspielen ein.
Simu: Diese Einladung nehme ich gerne an - muss aber somit wohl nächste Saison stattfinden (schmunzelt Hämpu zu). Nein, ich erhoffe mir, dass die Partien halten, was sie versprechen. Dass wir es schaffen, dem Favoriten entgegen zu halten. Und weitere, unvergessliche Partien erleben dürfen.
Hämpu: Dass die Partien halten was sie versprechen, davon bin ich überzeugt. Aber jetzt noch unsere obligate Abmachung Simu! Wer die Serie gewinnt, wird Meister!
Simu: Gerne, damit könnte ich sehr gut leben. Du weisst ja, wo im Täli gefeiert würde (grinst).

 

NLB: Playoff Halbfinale, Spiel 1
Sonntag, 7. April 2019 14.00Uhr in der Tschilar Baut Arena in Gals
SV Gals - SHC Grenchen-Limpachtal

NLB: Playoff Halbfinale, Spiel 2
Samstag, 13. April 2019 14.00Uhr in der BSB+Arena in Grenchen
SHC Grenchen-Limpachtal - SV Gals

NLB: Playoff Halbfinale, Spiel 3 (ev.)
Sonntag, 14. April 2019 14.00Uhr in der Tschilar Baut Arena in Gals
SV Gals - SHC Grenchen-Limpachtal