NLB: Wenn die Vergangenheit dich einholt und beflügelt 

Die zweite Mannschaft ringt den SHC Belpa 1107 in der zweiten Viertelfinalpartie der NLB-Playoffs nieder. Dabei hat die Mannschaft ihren Erfolg den Erinnerungen der eigenen Vergangenheit zu verdanken. 

 

Nach dem wichtigen ersten Sieg vor Wochenfrist stand dem Team der schwierige Gang zur zweiten Partie der Serie nach Belp an. Dass der zweite Sieg und die damit verbundene Halbfinalqualifikation kein Selbstläufer werden dürfte, war den Grenchner bewusst. Zu oft wurde dies in den letzten Tagen angesprochen. Ausblenden was hinter dir liegt. Nur beachten was hier ist. Und nicht daran denken, was danach kommen kann. 

Die Mannschaft um Captain Wälchli startete entsprechend in die Partie. Sie kam energiegeladen aus der Kabine und setzte den Gegner bei jeder Gelegenheit unter Druck. Die Spieler machten die Checks fertig, setzten nach und kämpften um jeden Zentimeter. Doch der Grat zwischen gesunder Aggressivität und Übermotivation ist schmal. Bereits nach gut vier gespielten Minuten setzte es die erste Strafe für die Grenchner ab. Und die Belper wussten die numerische Überzahl sofort auszunutzen. Als nach einem Kontertor die nächste Unterzahlsituation für die Grenchner folgte, zeigte die Heimmannschaft ihrem Gegner die Limiten unmissverständlich auf. Die taktische Ausrichtung der Mannschaft im Boxplay war - gelinde gesagt - unglücklich. Der Trainer musste zur Kenntnis nehmen, dass das Konzept nicht passte. 0:3 Zwischenstand nach knapp zwölf Minuten. 

Wenigstens konnten die Grenchner den Abstand durch ein Tor in Überzahl vor der Pause nochmals verkürzen. Der Fehlstart war aber perfekt. 

Es war nicht alles schlecht im ersten Drittel. Logisch, das Resultat war miserabel. Erst recht bei der Betrachtung der Spielanteile. Die Grenchner hatten gefühlte 70 Prozent Ballbesitz. Aber sie wussten damit nichts anzufangen. Keine gefährlichen Abschlüsse, kein Spielfluss, zu viel Stückwerk. Die Belper demgegenüber spielten clever. Und hatten das nötige Glück auf ihrer Seite. 

Nicht alles ändern also, sondern Details anpassen. Und Geduld beweisen. Weiter kämpfen, und das Glück auf die eigene Seite zwingen. Es war bezeichnend, dass mit Manuel Wyss einer das zweite Tor erzielte, der zuletzt mehr mit sich selber haderte als Donald Trump mit seinem Parlament und seiner ersehnten Mauer im Süden. Nach einem Sprint über das halbe Spielfeld fand sich der Verteidiger alleine vor dem gegnerischen Torhüter wieder, dessen Abpraller nach einem Weitschuss direkt auf seiner Stockschaufel landete - und den Ball sicher im Gehäuse unterbrachte. Als Roman Bütikofer danach in Überzahl gar den Ausgleich nach gut der Hälfte der regulären Spielzeit erzielte, war die Partie definitiv neu lanciert. 

Nun waren es die Heimherren, die sich auf Diskussionen mit den Unparteiischen einliessen und ihre Energie auf Nebenschauplätzen verpufften. Den Grenchnern konnte dies recht sein. Sie powerten weiter. Einsatz für Einsatz kamen sie dem Führungstreffer näher. Doch anstelle mit einem Vorsprung in die zweite Pause gehen zu können, kassierten sie zur Unzeit selber den einen Gegentreffer zum 4:3 für Belp. Zwei Sekunden vor Schluss, und wiederum in Unterzahl. 

Es blieben noch 20 Minuten zu spielen. Eine gefühlte Weltreise für einen Hockeyspieler. Grenchen versuchte dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Doch Belp traf. Und in der 46. Minute kam es für die Gäste knüppeldick. Nach einer Rangelei mit anschliessendem Faustkampf gesellten sich mit Krähenbühl und Wälchli zwei weitere Spieler zum bereits in der Kühlbox sitzenden Härri. Mehr als 100 Sekunden doppelte Unterzahl. Die ersten 60 Sekunden wurden zwar dank bravourösem Einsatz der Boxplayspezialisten überstanden, bevor danach aber doch der nächste Treffer der Belper zur 6:3-Führung fiel. 

Die Grenchner besonnen sich nun aber scheinbar ihrer eigenen Vergangenheit. Ihrem bisherigen Weg. Und erinnerten sich dabei, dass sie in den letzten Partien des öfteren bewiesen haben, dass sie zu Reaktionen fähig sind. Gegen den Ligadominator und Leader Gals? Das letzte Drittel mit 5:3 für sich entschieden. In der Quali gegen Belp? Die Partie zu den eigenen Gunsten in den letzten 20 Minuten gedreht. Gegen Hägendorf? Den Sieg im letzten Abschnitt eingetütet. Und heute die nächste Kostprobe der eigenen Willensstärke abgeliefert. Innert 5 Minuten glichen Bütikofer, Krähenbühl und schliesslich Häberli mit seinem Treffer 31 Sekunden vor dem Ende zum 6:6 die Partie aus. Was für ein Wahnsinn. Mehr noch, die Grenchner hätten die Partie gar in der regulären Spielzeit für sich entscheiden können. Chancen dazu bestanden. 

Aber das Drehbuch wollte, dass die Verlängerung die Entscheidung bringen sollte. "Ich sagte dem Team, dass es keinen Grund zum Zweifeln gibt" sagte Coach Rindlisbacher nach dem Spiel. "Unseren Weg weiter gehen, das Spiel nicht verändern. Und an den Sieg glauben." Captain Wälchli nahm es sich zu Herzen, und schenkte seinem Team mit seinem Weitschusstreffer in Überzahl in der Extrazeit den so wichtigen Sieg und damit die Halbfinalqualifikation. 

Ja, ein oft zitiertes Sprichwort besagt, dass du dir mit der Vergangenheit nichts kaufen kannst. Aber gemachte Erfahrungen und Bekanntschaften können dich prägen. Negatives verbleicht allmählich, während das Positive scheinbar ewig eingebrannt in voller Farbenpracht erhalten bleibt. Dir als Inspirations- und Kraftquelle dienen kann. In Situationen, in denen dir ansonsten alle Felle davonschwimmen zu scheinen. 

Dies dürfte keine schlechte Ausgangslage sein für die anstehende Halbfinalpaarung gegen den absoluten Favoriten aus Gals. Jener Mannschaft, die in der letzten Saison auf dem Weg zum Meistertitel eliminiert wurde. Genau, im Halbfinal. Ja, es ist eine zeitlang her. Aber die schönen Erinnerungen an diese Momente dürften sich eingebrannt haben. Wie die schönen Bilder an ein einmaliges Erlebnis aus deiner Jugend, die dich bis heute nicht mehr losgelassen haben.